B-Jugend – Trainingslager in Italien / 1996

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Spaghetti statt Spätzle

 

Freitag, 16. Februar 1996

Im neuen Stadion von Cazglliari ließ es sich gut fachsimpeln — MichaelEberle (links) und Peter Hansen

Um 13.45 Uhr verabschiedet sich die B-Jugend der TSF Ditzingen vom kalten regnerischen Wetter auf dem Rhein-Main-Flughafen. Als die schmutzigen Schneehaufen neben der Rollbahn an den Kabinenfenstern der ALITALIA-Maschine vorbeihuschen, beginnt für die 19 Jungen Spieler und ihre vier Begleiter eine Woche Fußballabenteuer auf Sardinien. Nach einem ruhigen Flug über die schneebedeckten Alpen, vorbei an Genua und entlang an der italienischen Westküste landet die DC 10 um 15.00 Uhr in Rom. Zwischenlandung. Zeit genug für den ersten Cappuccino. Das Wetter bietet Kontrastprogramm pur, strahlender Sonnenschein. Wie wird das Wetter auf Sardinien sein? Und um 17.15 Uhr liegen die letzten 700 Kilometer hinter uns. Die sardische Hauptstadt hat die letzten Sonnenstrahlen für uns reserviert. Der Bus bringt uns zum Hotel. Durch die Busfenster begrüßt uns die von der untergehenden Sonne in warme Gelb- und Brauntöne gefärbte Kulisse der 350.000-Einwohner-Stadt CAGLIAR! Im Hotel ist man auf unseren Besuch vorbereitet. Der Hotelmanager empfängt uns zur Begrüßung mit Orangensaft. Das FORTE AGIP ist ein Hotel der AGIP Gruppe mitkomfortablen Doppelzimmern für die Spieler und Einzelzimmer für die Betreuer. Dann wird an einem großen Tisch im Restaurant das Abendessenserviert. Spaghetti, Fleisch, Obst und Getränke nach Wahl. Und jetzt nichts wie ab ins Bett, die Reise war anstrengend.

 

Samstag, 17.2.1996

Der erste Blick geht zum Fenster. Gott sei Dank, strahlend blauer Himmel! Zweite Erleichterung: großes Frühstücksbuffet. Das übliche italienische Frühstücksangebot hätte die Jungens nicht satt gemacht. Mit dem Bus geht’s um 10.00 Uhr zum ersten Trainingsort nach SINNAI. Perfekter Rasenplatz, freundliche Begrüßung, alle sind bester Laune. Am späten Nachmittag spielen wir auf dem gleichen Platz gegen die B-Jugend von SINNAI. Unter Flutlicht verlieren wir knapp mit 1:0 und werden anschließend zu einer Feier ins Vereinsheim eingeladen. Es gibt eine große Torte als Fußballplatz modelliert, giftgrüner Rasen und weiße Linien aus Zuckerguß. Es herrscht eine Riesenstimmung mit wechselnden Schlachtgesängen. Die sardische Gastfreundschaft ist überwältigend. Wir werden offiziell zu einem internationalen Jugendturnier nach SINNAI eingeladen. Wir drücken uns um eine verbindliche Zusage und bitten um die Zusendung der Ausschreibung. Nur widerwillig entläßt man uns zur Rückfahrt ins Hotel.

 

Sonntag, 18.2.1996

Heute trainieren wir ab 10.00 Uhr in PULA. Hier hatte vor einigen Tagen der FC Bayern München seine Vorbereitungswoche absolviert. Die Spielanlage ist perfekt, der Rasen makellos und die Betreuung vorzüglich. Und wieder wird auch hier das engagierte Training sehr aufmerksam von einigen Vereinsfunktionären beobachtet. Offensichtlich haben unsere Spieler einen guten Eindruck hinterlassen. Am Abend besucht-uns der Jugendleiter im Hotel und lädt uns zu einem internationalen Jugendturnier im Sommer ein. Unseren Hinweis auf die finanziellen Probleme kontert er mit einer erweiterten Einladung: 1 Woche kostenloser Aufenthalt in einem Hotel in PULA. Wir bitten um die Zusendung der Ausschreibung. Am Nachmittag sind wir interessierte Zuschauer beim Spiel CAGLIARI— GENUA, Cagliari gewinnt 3.0 und nicht nur die italienischen Fans sind vom Spiel begeistert. Leider ist der Trainer Giovanni Trapattoni vor einigen Tagen zurückgetreten. Wir hätten uns bei ihm gern für seine Unterstützung bedankt. Über die Schiene Peter Hansen — Klaus Augenthaler — Giovanni Trapattoni wurden uns hier vor Ort viele Türen geöffnet. Und weil für so eine Reise auch das Motto „Ohne Moos nichts los“ gilt, möchten wir uns sehr herzlich für die finanzielle Hilfe beim FÖRDERVEREIN, der Firma TEUSSER-SPRUDEL in Löwenstein, den Speditionen GLÄSER in Backnang und LOCKSPED in Markgröningen und last not least bei Herrn Dr. Hermanns bedanken.

 

Trainer Michael Eberle mit seinem Team auf dem Platz in Pula.

Montag,19.2.1996

Heute sind wir am Vor- und Nachmittag in SINNAl. Wir haben wieder ein volles Trainingsprogramm: Arbeit am Ball, taktische Spielzüge, Zweikampfverhalten, Standardsituationen und. Langsam macht sich bei einigen Spielern die Anstrengung bemerkbar. Konsequenz: am Dienstag trainingsfrei.

 

Dienstag, 20.2.1996

Frühstück erst um 10.00 Uhr. Dann steht der Bus für eine Stadtrundfahrt bereit. CAGLIARI bietet eine reizvolle Mischung aus sehr alten Gebäuden und modernen Zweckbauten. Großzügige freie Plätze und schmale Gassen bilden interessante Kontraste. Zum ersten Mal regnet es kurz. Dann können unsere Jungs zum Einkaufsbummel ausschwärmen. Es ist ja alles „sooo billig in Italien”. Unsere Rückfahrt zum Hotel verzögert sich erheblich. Grund: man feiert Karneval. In den Straßen der Innenstadt ist ein unbeschreibliches Durcheinander. Keine Absperrungen, keine Verkehrsregelung. Lustige Motivwagen, Omnibusse, Autos, Musikgruppen und maskierte Narren blockieren mit unbeschreiblichem Lärm jedes Vorwärtskommen.

 

Mittwoch, 21.2.1996

In PULA ist der Platz durch den Regen aufgeweicht. Ohne Probleme und vor allen Dingen ohne Zeitverlust wird ein Ersatzplatz gefunden. Wir trainieren heute in CAPOTERRA. Dieser Wechsel zu den verschiedenen Plätzen gibt uns die Möglichkeit auch etwas von der wunderschönen Landschaft zu sehen. CAPOTERRA ist ein kleines Dorf, aber ein Fußballplatz mit großer Tribüne gehört zur wichtigsten Einrichtung. Man könnte glauben, die fußballverrückten Italiener bauen in jeder Gemeindeerst das Fußballstadion und dann kommt an zweiter Stelle die Strom- und Wasserversorgung. Als Abschluß unseres Trainingslagers ist für den Nachmittag ein Spiel gegen die B-Jugendmannschaft von CAGLIARI angesetzt. Wie immer und überall ein sehr herzlicher Empfang auf dem Platz. Trainer und Offizielle begrüßen uns außerordentlich gastfreundlich. Das besonders von der Technik bestimmte faire und spannende Duell endet mit einem 2.2-Ergebnis. Dieser Spielausgang hat für uns einen besonderen Stellenwert, weil die italienische Mannschaft 1995 in ihrer Klasse nationaler Vizemeister war. Am Abend bringt die Nachricht über einen bevorstehenden Streik der Flughafenfeuerwehr unseren Zeitplan durcheinander. Wir müssen am nächsten Tag schon um 6.30 Uhr in CAGLIARI starten.

 

Nervosität unter den Reiseteilnehmer auf dem Flughafen in Rom.

Donnerstag, 22.2.1996

Wecken ist um 4.30 Uhr. Um 8.00 Uhr landen wir in Rom. Vor uns liegen 10 Stunden Aufenthalt. Irgendwie verbringen wir die Zeit mit Kartenspiel und Schlafen auf unbequemen Bänken. Um 21.00 Uhr landen wir endlich in Frankfurt und der Bus bringt uns gegen Mitternacht nach Ditzingen. Es ist bitter kalt, aber wir sind zu Hause und endlich gibt es wieder Spätzle mit Soße. Für alle Teilnehmer war es ein unvergessliches Erlebnis und das große Dankeschön geht an alle, die es ermöglicht haben.

 

Bericht: „Reisebegleiter” – Klaus Wichert
TSF Fußball-info Ausgabe 12

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