VfR Pforzheim – TSF Ditzingen / 13.03.1993

 

VfR Pforzheim – TSF Ditzingen 4:0
Samstag, 13.03.1993, 15:00 Uhr
Oberliga Baden-Württemberg 1992/1993, 23. Spieltag
Pforzheimer Holzhof

 
Beim aggressiven VfR Pforzheim hatte die kraftlose Ditzinger Truppe nichts zu bestellen – 0:4
 
TSF vergällten ihrem Trainer Abschiedswort

So hatte sich Herbert Dienelt die Bekanntgabe seines Abschieds von den TSF Ditzingen sicher nicht vorgestellt. Mit versteinerter Miene und bis ins Mark von der Leistung seiner Elf „bitter enttäuscht“ gab der Ditzinger Coach unmittelbar nach dem 0:4-Debakel beim Oberliga-Schlußlicht VfR Pforzheim seinen Entschluß bekannt: „Drei Jahre sind genug“, setzte der 53jährige Erfolgscoach selbst allen weiteren Spekulationen um seine Zukunft in Ditzingen ein Ende. Zum Saisonabschluß wird er die TSF verlassen, sein Wirken an der Lehmgrube behält er in positiver Erinnerung: „Es ist keine Floskel, wenn ich sage, daß wir uns in gegenseitigem Einvernehmen trennen und als Freunde auseinandergehen“, erklärte Dienelt seinen Entschluß mit Blick auf TSF-Abteilungsleiter Eberhard Ruf. Mit ihm gemeinsam hatte er zuvor 90 schmerzliche Minuten lang ein Fußballspiel erleben müssen, das vor allem die nach Höherem strebenden Ditzinger Akteure womöglich noch lange in schlechter Erinnerung behalten werden. Die nämlich blieben an diesem sonnigen Frühlingsnachmittag im Pforzheimer Holzhof ausnahmslos den Beweis schuldig, daß die hohen Ansprüche immer deckungsgleich mit der tatsächlichen Leistung auf dem Feld sind. Auch wenn ein rundum zufriedener VfR-Coach Harry Griesbeck nach dem Spiel meinte, in Becker und Broß noch die auffälligsten Ditzinger Akteure gesehen zu haben – die angehenden Profis müssen sich fragen, warum sie in entscheidenden Momenten dem Spiel ihrer Mannschaft nicht die notwendigen Impulse geben konnten. „Spieler, die große Ziele haben, sollten nicht mit irgendwelchen Spielervermittlern verhandeln, sondern auf dem Feld handeln“, legte TSF-Chef Ruf den Finger in eine Wunde, die bereits in den vergangenen Wochen in Ditzingen offen klaffte.

VfR wie aus einem Guß
Zum Spiel: während der gastgebende VfR-zunächst ohne den Ex-Renninger Torjäger Siegmund – von Beginn an wie aus einem Guß spielte, sehr aggressiv zu Werke ging und vor allen Dingen in den Zweikämpfen keinen Einsatz und kein Risiko scheute, versuchten die Gäste – im Hinspiel noch mit 6:1 tonangebend – mit (schön)spielerischen Mitteln zum Erfolg zu kommen. „Uns ist es gelungen, die Ditzinger Stärken mit Disziplin und Engagement zu neutralisieren“, resümierte Harry Griesbeck. Daß die TSF-Hintermannschaft in der derzeitigen Verfassung ein Unsicherheitsfaktor ist, zeigte sich nach zehn Minuten zum ersten Mal: Broß vertändelte einen Ball, der Flachschuß ging nur knapp am Tor vorbei. Zwei Minuten später handelte sich der TSF-Libero die gelbe Karte ein, der Grund – wiederholtes Meckern. Wiederum nur zwei Minuten später die Führung des kompromißlos aufspielenden Abstiegskandidaten: eine Unstimmigkeit in der Ditzinger Abwehr nutzt Pforzheims Wolff entschlossen und läßt Torhüter Hartmann keine Abwehrchance.

Ditzinger ohne Konzept
Auch danach wirkten die Ditzinger zu überhastet und ohne Konzept, Torhüter Hartmann reihte sich ins Team der Wackelkandidaten ein: in der 22. Minute kann er einen Flachschuß auskurzer Distanz nur nach vorne abwehren, VfR-Neuzugang Günter Hillenbrand ist zur Stelle und erhöht auf 2:0. Ditzingen machte danach zwar Druck, doch außer einem Weitschuß von Cast -als einziger mit einer soliden Partie-kam nicht mehr zustande. Straube gegen Wolff und Mutapcic gegen Mähler – die Zweikämpfe gingen auch im zweiten Durchgang klar zugunsten der Gastgeber aus, im Angriff fehlte dem Stürmerduo Erdin/Widmayer, nur unzureichend unterstützt von Ralf Becker weiterhin die Durchschlagskraft, das erwartete Aufbäumen blieb aus. Dann die Vorentscheidung: einen Angriff über rechts schließt Andreas Mähler, einer der auffälligsten im VfR-Team, mit einem Heber über: den ‚zögernd herauseilenden Keeper Hartmann ab – 3:0, der Jubel war groß (52.). Das 4:0 nur sieben Minuten später symptomatisch für das Ditzinger Spiel an diesem Tag. Ein Angriff wird bereits an der Mittellinie abgefangen, Jörg Wolff spurtet vom nicht konsequent eingreifenden Mutapcic nicht aufzuhalten bis an den 16-Meterraum, paßt seelenruhig nach innen und Martin Beer hat keine Mühe zu vollstrecken. Daß Ralf Becker vier Minuten danach die Schlußoffensive mit einer „Kerze“ in den Frühlingshimmel freistehend vier Meter vor dem VfR-Gehäuse abschloß und zehn Minuten vor dem Ende noch einmal per Kopf eine schön herausgespielte Möglichkeit nicht nutzte – an diesem Tag war für die enttäuschende TSF einfach nicht mehr drin, der VfR-Sieg auch in dieser Höhe vollkommen in Ordnung.

Bericht aus der Fußball-Info TSF Ditzingen Ausgabe 31 Seite  (1992/1993)

 

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